Fiktive Abrechnung gegenüber Kaskoversicherung

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Der Bundesgerichtshof hat in einem aktuellen Urteil Grundsätze zur fiktiven Abrechnung gegenüber der Kaskoversicherung bei Fahrzeugschäden konkretisiert. Er hat klargestellt, dass auch bei einer fiktiven Abrechnung von Unfallschäden die Fahrzeugkaskoversicherung unter bestimmten Voraussetzungen Kosten, die bei einer Reperatur in einer Markenwerkstatt anfallen würden ersetzen muss und den Versicherungsnehmer nicht auf geringere Kosten einer freien Werkstatt verweisen kann.

In dem Rechtsstreit rechnete der Geschädigte, der einem Unfallschaden nicht reparieren ließ, von seinem Kaskoversicherer den Ersatz der notwendigen Reparaturkosten auf Basis eines Gutachtens ab. Hieraus ergab sich wegen höherer Stundenverrechnungssätze der Fachwerkstatt ein Reparaturkostenaufwand von rd. 9.400 €. Der Versicherer regulierte dagegen auf der Basis eines von ihm eingeholten Gutachtens nur rd. 6.400 €, weil diesem Gutachten geringere Lohnkosten zugrunde lagen.

Der Bundesgerichtshof hat ausgeführt, dass in der Kaskoversicherung allein die vertraglichen Vereinbarungen der Parteien maßgeblich sind und deshalb die für den Schadensersatz – also insbesondere für die Ersatzpflicht des Unfallgegners – geltenden Regelungen nicht angewandt werden können. Allerdings ergab sich auch aus der maßgeblichen Auslegung der hier anwendbaren Versicherungsbedingungenden, dass die Aufwendungen für die Reparatur in einer markengebundenen Werkstatt aus Sicht eines durchschnittlichen Versicherungsnehmers abhängig von den Umständen des jeweiligen Falles als „erforderliche“ Kosten im Sinne der Klausel anzusehen sind. Danach konnte der Versicherungsnehmer diese Aufwendungen dann ersetzt verlangen, wenn nur in der Markenwerkstatt eine vollständige und fachgerechte Instandsetzung möglich ist, im Regelfall aber auch dann, wenn es sich um ein neueres Fahrzeug oder um ein solches handelt, das der Versicherungsnehmer bisher stets in einer markengebundenen Fachwerkstatt hat warten und reparieren lassen. Dass eine dieser Voraussetzungen vorliegt, hat der Versicherungsnehmer im Streitfall darzulegen und zu beweisen.

Für betroffene Versicherungsnehmer bedeutet dies, dass es maßgeblich immer auf den Inhalt der Versicherungsbedingugnen ankommt. Versicherungsnehmer sollten sich bei der fiktiven Abrechnung von Kaskoschäden jedenfalls nicht ohne Weiteres auf die Kosten einer freien Werkstatt verweisen lassen.

Andrea Masuhr, Rechtsanwältin